viscom-News

Bewegung in der Grundbildung

28.06.2017 - Die Veränderungen in den grafischen Berufen zeichnen sich seit längerem ab. In einem breit abgestützten Prozess entwickelt die Branche die Berufe weiter. Dabei sind die gesetzlichen Bestimmungen bei der Ausgestaltung des Prozesses massgebend. Während das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) die Arbeitsmarktfähigkeit und Einhaltung der aktuellen Rechtssprechung überprüft, stehen bei den Kantonen praktische Erwägungen im Vordergrund. Die Kantone sind gesetzlich mit dem Vollzug der Berufsbildung beauftragt. In diesem Zusammenhang überprüfen sie darum die Handhabung der verschiedenen Berufe im Vollzug. Dabei werden auch die aktuellen und zu erwartenden zukünftigen Klassengrössen kritisch überprüft.

Enge Rahmenbedingungen von Bund und Kantonen
Im Rahmen der ordentlichen 5-Jahresüberprüfung der Druck- und Weiterverarbeitungsberufe zeigte sich in den vergangenen Wochen, dass vor allem im Bereich der Printmedienverarbeiter Handlungsbedarf besteht. Das vorliegende Berufsbild erfüllt nicht mehr alle gesetzlichen Vorgaben. Gleichzeitig wurde in den Gesprächen mit verschiedenen Kantonsvertretern und dem Bund klar, dass der Status Quo mit dem bestehenden Berufsbild in der Weiterverarbeitung nicht möglich ist. Das ist nicht nur dem Mengengerüst sondern auch der Tatsache geschuldet, dass hier gesetzesfern unter der gleichen Berufsbezeichnung Berufe mit verschiedener Ausbildungsdauer angeboten werden. Eine Integration der Weiterverarbeitung in den neuen Medientechnologen mit eigener Fachrichtung Weiterverarbeitung ist nicht möglich, auch hier reicht die Anzahl Lehrverhältnisse pro Ausbildungsjahr nicht. Das gleiche gilt für ein selbstständiges Berufsbild in der Weiterverarbeitung mit Fachrichtungen. Es ist vor diesem Hintergrund nur möglich, mit Ausbildungsschwerpunkten weiter zu planen. In verschiedenen Gesprächen mit Kantonsvertreter konnten gute Kompromisse erzielt werden. Anders als in vergleichbaren Kleinstberufen ist die Branche beispielsweise nicht dazu gezwungen, einen mehrsprachigen Unterricht an einem zentralen Schulstandort zu planen. Auch steht eine Zusammenlegung mit fremden Berufen nicht zur Diskussion. Andererseits wurden die zwei Ausbildungsstandorte in der Deutschschweiz kritisiert. Hier ist jedoch noch nicht absehbar, wie sich die Kantone entscheiden werden.

Bindetechnologe EFZ
Aufgrund dieser mit den Kantonen nicht verhandelbaren Eckpunkte hat die Kommission für Berufsentwicklung und Qualitätssicherung entschieden, ein eigenständiges Berufsbild unter dem Arbeitstitel Bindetechnologe EFZ zu planen. Es sind zwei Ausbildungsschwerpunkte mit den Arbeitstiteln «Industrie» und «Handwerk» vorgesehen. Damit das kritische Mengengerüst  für das neue Berufsbild erreicht werden kann, müssen die Printmedienverarbeiter in den Fachrichtungen Versandraum, Bindetechnologie und Druckausrüstung im Berufsbild des Bindetechnologen EFZ mit Ausbildungsschwerpunkt  «Industrie» zusammengefasst werden.

Als Entgegenkommen an die grafische Industrie konnte man sich mit den Kantonen darauf einigen, dass neben gemeinsamen auch separate üKs durchgeführt werden können. Die vorgesehene individuelle praktische Arbeit (IPA) zum Ende der Ausbildung stellt zudem eine ideale Prüfungsform dar. Eine IPA nimmt die unternehmensspezifischen Eigenheiten auf. Die Prüfung erfolgt aufgrund eines realen Auftrages. Es muss also nicht mehr eine vorgegebene Prüfungsarbeit, die oft nicht mehr den Gepflogenheiten des Arbeitsalltages entspricht, abgelegt werden. Als weiteres qualitätssicherndes Elemente ist die Benotung der üKs vorgesehen. Diese Note soll Bestandteil des Qualifikationsverfahrens (QV) werden. Die Berufskenntnisnote wird zugunsten einer Erfahrungsnote aus dem Schulbetrieb ersetzt. Mit diesen neuen Instrumenten wird es künftig möglich, die Lernenden individuell und den Bedürfnissen der Unternehmen entsprechend während der gesamten Lehrzeit zu begleiten und zu qualifizieren.

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern der technischen Kommission, der üKs und der Berufsfachschule hat Ende Juni unter der Leitung von viscom eine erste Beurteilung der Handlungskompetenzbereiche vorgenommen. Auf dieser Basis werden nun zusammen mit Vertretern aus den Unternehmen die Leistungsziele formuliert, damit ein Entwurf des neuen Berufsbildes entsteht. Mit dieser Grundlage erfolgt im Spätsommer ein Branchen-Hearing. Das Ziel ist ein breit abgestütztes Berufsbild zu entwickeln, das die Grundlagen der Gesetzgebung aufnimmt und den Bedürfnissen der Branche entspricht. Aktuell ist noch unklar, ob eine drei- oder vierjährige Ausbildung entsteht. Die Ausbildungsdauer ergibt sich weitgehend aus den zu vermittelnden Kompetenzen. Die Einführung des neuen Berufsbildes Bindetechnologe EFZ wird voraussichtlich per 2020 erfolgen können.

Medientechnologe EFZ
In verschiedenen Arbeitsgruppen werden derzeit die Leistungsziele der drei Fachrichtungen formuliert. Dabei sind die Vorschläge aus dem Branchen-Workshop Anfang Jahr aufgenommen und verarbeitet worden. Damit existiert bereits ein solides Gerüst für die weiteren Arbeiten. In den nächsten Schritten werden nun die Modelllehrgänge, die üK-Planung sowie der Rahmenlehrplan Berufsfachschule und die Beurteilungs- und Bewertungsunterlagen zur Ermittlung der Erfahrungsnoten entwickelt. Der Medientechnologe ist damit auf Kurs, der geplanten Einführung im Sommer 2019 steht nichts im Weg.

zurück
 
 
 
gib.ch
 
sephir
 
 

Zertifizierung
Wir sind ISO 9001:2015
(Qualitätsmanagementsystem) zertifiziert.
ISO9001_IQNet
-